Transformation: 5 Trends für Weltmarktführer

weltmarktfuehrerDer diesjährige Weltmarktführer Kongress am 14. und 15. Oktober in Wien bot ein vielfältiges Tagungsprogramm, um „von den Besten zu lernen“.

Das Programm wartete mit einer eine Key-Note des Präsidenten der österreichischen Industriellenvereinigung auf bis hin zu Startup-Pitches. Von der Analyse der besonderen DNA von Familienunternehmen bis hin zur Analyse der Relevanz von Wirtschaftsspionage und der geeigneten Mittel zur Abwehr. Von der Herausforderung der strategischen Weiterentwicklung von global agierenden Unternehmen bis zum Innovationspotenzial beim Brötchenbacken oder Feuerwehrautobauen.

Österreich ist eine kleine, offene Exportwirtschaft und hat einige Hidden Champions, die oftmals aufgrund Ihres großen Erfolges im Ausland bekannter als im Inland. Gemäß dem Präsidenten der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch liegt der Erfolg der österreichischen Unternehmen nicht in den Rahmenbedingungen begründet sondern in den Menschen, die diese leiten und in ihnen arbeiten. Gerade Leitbetriebe sind aber von internationalen Entwicklungen betroffen und können zudem leichter abwandern. Das bedeutet, Unternehmen dürfen sich nicht auf Ihren Lorbeeren ausruhen, sondern müssen sich heute um den Erfolg von morgen kümmern. Dazu sind 5 zentrale Trends zu berücksichtigen.

1. Organisationen werden stärker geographisch und im Netzwerkmodell organisiert

So sah der Feuerwehrautobauer Rosenbauer die Notwendigkeit, das Unternehmen von einer Produktorganisation zu einer Area Organisation umzubauen. Auch wenn global agiert wird, so sind die lokalen Märkte mit deutlichem Fokus und individuellem Herangehen zu bearbeiten. Im Gegensatz zu althergebrachen Modellen von hierarchischer oder Matrix-Organisation begegnet man den Herausforderungen der Zukunft heute verstärkt mit Netzwerkmodellen. Das beinhaltet eine Unternehmenskultur, in der über die klassischen Grenzen hinweg zusammengearbeitet wird. Seine Gedanken dazu führte Mag. Johann Strunz von der DOKA Group aus.

2. Distruptive Veränderung wird zum Normalfall

Mag. Oliver Wichtl vom Malik Management Zentrum St. Gallen, sieht die drei wesentlichen Bausteine dieser Veränderung in der Digitalisierung, der Globalisierung und dem stetig steigenden ökonomischen Druck. Auch Christian Kesberg, Chief Strategy Officer, Außenwirtschaft Austria sieht die internationalen Märkte einer ungewöhnlichen Disruption ausgesetzt. „Die wirklich spannenden Entwicklungen werden aus dem Zusammenwirken oder Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien unterschiedlicher Branchenherkunft entstehen“. Markus Kienberger von google überraschte mit der Aussage “Unpredictable change is an absolute certainty“ das Auditorium dann nicht mehr so sehr.

3. KMUs und Familienunternehmen wirtschaften überdurchschnittlich verlässlich

Mag. Schauer, Vorstand der Volksbank Wien zeigte auf, dass das KMU Segment mit Unternehmen bis 249 Mitarbeitern mit weit über 80% (82% – 96%) das vorrangige Segment in allen Ländern der EU darstellt. Markus Weishaupt, Chef von Weissman Italien, Österreich und Schweiz analysierte, dass zwischen 2006 und 2010 DAX Unternehmen durchschnittlich 7% Mitarbeiter abgebaut hatten. Im Gegensatz dazu erhöhte sich im selben Zeitraum die Zahl der Miterbeiter in den 500 größten deutschen Familienunternehmen um 9%. Familienunternehmen scheinen weniger schnell einem Hype zu folgen, zeichnen sich dabei aber durch verlässliches Wachstum aus.

4. Digitale Vernetzung erleichtert Wirtschaftsspionage und erhöht den Schutzbedarf von Informationen

In einem Impulsvortrag zeigte Dr. Juranek von der Anwaltskanzlei CMS RRH auf, wie groß die rechtliche Unsicherheit bei Datenspeicherung außerhalb europäischer Datenschutzgesetzen ist. Safe Harbor ist nur ein in Frage gestelltes Konzept. Gleichzeitig erkennt die EU die Wichtigkeit des Datenschutzes und erhöht in den aktuellen Vorschlägen zur Umsetzung neuer Richtlinien die Pönalen bei Verstößen durch Unternehmen empfindlich. Diese sollen bis zu 3% eines Jahresumsatzes oder bis zu 100 Millionen Euro betragen. In der darauf folgenden Podiumsdiskussion mit Dr. Juranek, Helmut Leopold vom AIT, Gabriele Bolek-Fügl von BDO und mir für Brainloop waren sich die Experten einig: Angriffe auf die Unternehmensinformationen finden permanent statt, können aber durch Maßnahmen wie richtiger Konfiguration und laufender Aktualisierung von Firewalls, regelmäßigen Passwortänderungen, Zwei-Faktor-Authentifizierung, dediziertem Rechtemanagement oder Netzwerk-Monitoring drastisch eingeschränkt werden. Wichtig ist die Awareness oder Sensibilisierung im Unternehmen zu erhöhen. Das betrifft zuallererst das Management und in der Folge alle Mitarbeiter. Die Funktion eines CISOs oder Beauftragten für Informationssicherheit ist für die Umsetzung hilfreich, sofern ihm Gehör geschenkt wird. Denn Informationen sind Gold wert und müssen vor dem Zugriff Unberechtigter wirkungsvoll geschützt werden. Es gibt keinen Grund, Daten unsicher im Netz auszutauschen. Große Bedeutung kommt dabei sicher der Kombination von Sicherheit und Usability zu.

5. Geschwindigkeit der Entscheidungen und Mitteleinsatz sind außerordentlich relevant

Auch wenn es auf den ersten Blick komisch klingt: Weniger Geld ist mehr. Das konstatierte Wolfgang Deutschmann von der Crowd-Funding-Plattform Green Rocket. Er ging der Frage nach, was Weltmarktfüher von Startups lernen können. Die Innovationskraft von Startups sieht er zum einen darin, auf der grünen Wiese zu beginnen, Ideen zuzulassen bzw. Probleme erst einmal ausblenden zu können. Zum zweiten, dass Entscheidungen schnell und unmittelbar getroffen werden. Und letztlich, dass Geld oder hoher Mitteleinsatz oft kontraproduktiv ist, da das geistige Potenzial automatisch weniger genutzt wird.